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Daniel Hausig | licht.bad

2009 | SD 16:9 | 20:43 min

Das ehemalige Heidenheimer Stadtbad – jetzt Museum – war 2009 Schauplatz einer Installation von Daniel Hausig, Professor für Malerei und Intermedia an die Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrüc­ken.
Der gebürtige Schweizer entwickelte seine Instal­lation anhand einer Denkfigur, die eigens auf das ehemalige Stadtbad zugeschnitten war, um das Eintauchen in

eine bestimmte Atmosphäre zu ermöglichen. Hausig beschreibt diese Atmosphäre als Erinnerungen an das erstmalige Eintauchen ins Wasser eines Schwimmbads, das von Ängstlichkeit auf der einen Seite und Neugier auf der anderen geprägt sein kann. Seine künstlich/künstlerisch geschaffene Atmosphäre besteht aus drei Komponenten: einer Klang-Collage, einem Video, das an die Stelle des (abgedeckten)

dreiteiligen Nordfensters des „Stadtbades“ projiziert wird und 35 quadratischen, sanft leuchtenden Paneelen, die rastermäßig exakt auf der ehemaligen Wasserfläche aufgestellt sind.
Die Klang-Collage besteht aus Wassergeräuschen, wie Plätschern, auf Wasser Schlagen, Wellenbewegungen und einer zurückhaltenden Schwimmbad-Atmosphäre.

Das Video, eine Stop Motion, besteht aus 2400 Einzelbildern, aufgenommen von einem Leuchtturm auf einer südschwedischen Insel aus im Tagesverlauf und bei Vollmond. Das Sichtfeld Insel ist ausgelegt mit einer Unzahl rosa-farbener Schwimmringe, die laut Künstler für „Spiel, Spaß, aber auch Sicherheit“ stehen. Die im schummrig abgedunkelten Raum sanftes Licht

verbreitenden Paneele schalten sich abweschselnd ein und wieder aus. Dabei leuchten die, die sozusagen den Beckenrand darstellen, lediglich weiß, wobei kachelartigeartige nicht leuchtende Flächen ausgespart werden, also schwarz erscheinen. Die Paneele in der Mitte leuchten in verschiedenen Farben. Das Leuchten entsteht durch Elektro-Lumineszenz, einem kalten Licht aus sich selbst

heraus, wobei die Farbschichten durch Strom angeregt werden. Meine Farben kommen aus der Steckdose“, sagt der Künstler scherzhaft. Es entsteht so eine abstrakte, virtuelle Wasserfläche.
Das Video an der Stirnwand symbolisiert das Fließen der Zeit. Die sich überlagernden Ebenen Wasserfläche, der Zeitfluss und die akustische Collage erlauben nach der Vorstellung des Künstlers ein

Eintauchen in eine Atmosphäre. Begibt man sich als Betrachter ins „Bild“, so verändert sich die eigene Wahrnehmung. Es kommt zu einer Interaktion von Außenraum und der eigenen Innenwelt. Der Mensch wird Bildfigur wie der Mensch in Caspar David Friedrichs „Mensch am Meer“. Mit Bedacht hat deshalb der Künstler für seine 24-Stunden Fotoserie eine Vollmondnacht gewählt.
In Worte lässt sich nur unzureichend fassen, was der Film anhand des Interviews mit dem Künstler vor der Kulisse seiner Installation erlebbar macht.